Christian Philipp Müller, Bernd Leifeld und Matthias Sauer (von links) Fotos: Saur / Photos: Saur
Was ist die documenta (13) und was ist sie nicht? Wie laufen die Vorbereitungen? Wie kam es überhaupt zur Entscheidung der jetzigen künstlerischen Leitung? Was erwartet den Gast zur documenta (13)? Wann werden die Künstler bekannt gegeben? Um diese Fragen drehte sich die Gesprächsrunde mit Bernd Leifeld, Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH in Kassel, Ende Januar im Hörsaal der Kunstuni Kassel.
Der Rektor der Kunsthochschule Kassel, Professor Dr. Christian Philipp Müller, auch einer der ausstellenden Künstler der documenta (13) – mehr dazu in unserem zweiten Videobeitrag, hatte Bernd Leifeld und Matthias Sauer, Leiter der Infrakstruktur der documenta (13), eingeladen. Sie stellten sich den Fragen der Studierenden und Interessierten.
Bernd Leifeld: Seit 2008 mit der Planung der documenta (13) beschäftigt
Wenn Bernd Leifeld gefragt wird, wie denn in diesen Tagen die Vorbereitungen zur documenta (13) laufen, schüttelt er mit dem Ausdruck eines Unverstandenen mildtätig den Kopf. Denn er beschäftigt sich seit über vier Jahren mit den Vorbereitungen der Weltkunstausstellung. Erste wichtige Aufgabe ist dabei immer die Wahl des neuen künstlerischen Leiters. Der kann sich nicht bewerben, sondern wird „gerufen“, so Leifeld. Die internationale Findungskommission – darunter auch drei deutsche Vertreter – hat viele potentielle Kandidaten gesammelt und sie dann auf 40 Namen reduziert, hieß es. Am 3. Dezember 2008 wurde die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Barkaiev schließlich der Öffentlichkeit präsentiert.
„Unser wichtigster Sponsor ist der Besucher“
Für die documenta (12) stand laut dem Referenten ein Budget von 26,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das setzte sich so zusammen: Die Stadt Kassel trug davon 13 Prozent, das Land Hessen den gleichen Anteil und die Kulturstiftung des Bundes 12 Prozent. Der größte Anteil – 62 Prozent des Budgets – kam aus Eigenleistung. Fazit: 38 Prozent des Budgets besteht aus den genannten öffentlichen Zuschüssen, 62 Prozent aus Eigenleistungen. „Unser wichtigster Sponsor ist der Besucher“, fasst Bernd Leifeld zusammen.
Logo, erstes Kunstwerk, Notebooks: So inszeniert sich die documenta (13) im Vorfeld
Seitdem ist viel passiert, viel im Hintergrund, einiges in der Öffentlichkeit: Das neue Logo wurde entwickelt (wir berichteten in unserem Blogbeitrag darüber), das erste Kunstwerk von Penone aufgestellt (auch hier haben wir drüber gebloggt), die Notebooks (ebenso im Blog), viele Veranstaltungsreihen und Vorträge informieren über die documenta (13) inszenieren sie als eigene Darbietung – weit im Vorfeld, jenseits der eigentlichen 100 Tage . Leifeld und Sauer sowie auch das wachsende Personal der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH haben dabei immer ein Ziel im Visier: „ Der Besucher darf sich nur über eins ärgern – und das ist die Kunst,“ erklärte Bernd Leifeld.
150 companions starten ihre Ausbildung
Ganz aktuell: 150 sogenannte „Begleiter“ oder „companions“ wurden dieser Tage unter Vertrag genommen. Sie wurden aus über 700 eingehenden Bewerbungen ausgesucht, um ab Start der documenta (13) im Juni 2012 den Besuchern interessante Führungen durch die Weltkunstausstellung zu bieten. Dafür sollten sich die Besucher mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, hieß es. Ihre Ausbildung begann am letzten Januar-Wochenende, ebenfalls im Hörsaal der Kunstuni.
„Es wird eine sehr lebendige Ausstellung an vielen verschiedenen Orten“
Weiteres zum aktuellen Stand der documenta (13): Laut Bernd Leifeld stehen jetzt bereits hundert Prozent der Ausstellungsorte fest. Einige waren bereits verkündet worden: Das Fridericianum, die Karlsaue, das Gloria Kino (am Ständeplatz in der Friedrich-Ebert-Straße 3). Es kommen noch spannende weitere Ausstellungsorte hinzu, die überraschen dürften, kündigte Leifeld an. Denn die einstige Idee von „100 Künstlern an 100 Orten“ ziehe in jedem Fall dies nach sich: Es gibt 2012 eine beindruckend große Anzahl von Ausstellungsflächen. „Es wird eine sehr lebendige Ausstellung an vielen verschiedenen Orten“, verspricht Bernd Leifeld. Daher rät er jedem Besucher von außerhalb auch, mindestens zwei Tage allein für den Besuch der documenta (13) einzuplanen. Eine Route um das Fridericianum sei fußläufig an einem Tag zu schaffen. Für die zweite, größere Route wird geraten, öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen. Den Ortsansässigen empfiehlt Leifeld indes eine Dauerkarte. Immerhin ist viel über die ganze Stadt verteilt zu entdecken.
Altbekannt: Infos gibt‘s in „Häppchentaktik“
Bernd Leifeld verkündet Orte, Konzept und vor allem ausstellenden Künstlern der documenta (13) ganz bewusst in „Häppchentaktik“: Er möchte die documenta auch hier als „Kleinod“ schützen. Man habe aus der Erfahrung gelernt, dass die Medien dazu tendierten, die Qualität der jeweiligen documenta überwiegend an der Qualität der ausstellenden Künstler festzumachen, so Leifeld. Daher werden die Namen aller ausstellenden Künstler komplett erst am 6. Juni an die Öffentlichkeit gegeben. Und auch die companions mussten vor ihrer ersten Ausbildung gleich einen Vertrag zur Geheimhaltung unterzeichnen.
Schnitzeljagd durch die Notebooks für Tüftler
Neugierigen gab Bernd Leifeld jedoch eine kleine Tüftelaufgabe mit auf den Weg: „Wer unsere Notebooks liest, kann sich auch mal seine eigene künstlerische Liste zusammenstellen“. Derzeit (Stand : 27. Januar 2012) seien 54 der insgesamt 100 geplanten Notebooks (siehe dazu auch unseren Blogartikel) veröffentlicht . Und auch in der Aue „tue sich bereits etwas“.
Besucher sehen die große Inszenierung der Kunstwerke mit eigenen Augen
Wer also tüfteln mag, der tüftele. Und wer zwischen dem 9. Juni und 16. September 2012 nach Kassel kommt, wird das künstlerische Gesamtwerk eh mit eigenen Augen sehen. So wird die documenta (13) eine ganz eigene dramaturgische Inszenierung, die wie am Theater eines produziert: Spannung. Und das hat ja auch sein Gutes. Und kommt sicher nicht von ungefähr: Immerhin hat Bernd Leifeld ja vorher auch als Dramaturg, Intendant und Regisseur an verschiedenen Theatern gearbeitet.
Zur Person
Bernd Leifeld studierte Germanistik, Pädagogik und Theaterwissenschaften in Köln und an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete an verschiedenen deutschen Bühnen als Regieassistent. 1980 war er Dramaturg der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Von 1981-1983 arbeitete er als Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel, bevor er Intendant und Regisseur am Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen (LTT) wurde. Nach einem Lehrauftrag für Dramaturgie an der Universität Tübingen 1992, arbeitete er als Lektor an der Universität Basel. Von 1993 bis 1995 war Bernd Leifeld Dramaturg und Schauspieldirektor am Theater Basel. Seit dem 1. Januar 1996 ist er Geschäftsführer der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH in Kassel. (Quelle für Zur Person: Pressestelle der Kunsthochschule Kassel)
Müller, Leifeld, Sauer
What is the documenta and what it is not? How are the preparations? How did it come to the decision of the current artistic direction? What awaits the guest of documenta (13)? When all artists will be announced? Bernd Leifeld, managing director of Documenta and Museum Fridericianum Event GmbH in Kassel, gave an answer to this questions at the end of January in the auditorium of the Art University of Kassel. The rector of the Kassel Art Academy, Professor Dr. Christian Philipp Müller (also one of the artists exhibiting at documenta (13), more on that in our second video contribution) invited Bernd Leifeld and Matthias Sauer, head of Infrastructure of documenta (13). They answered the questions of students and interested parties.
Bernd Leifeld: Since 2008, the planning of the documenta (13) employs
If Bernd Leifeld is asked these days about the preparations for the documenta (13) now, he shakes his head with a light expression of being misunderstood. Because he has been busy already for the last four years with the preparations for the international art exhibition. The first important task is to achieve the election of the new artistic director. The artistic director cannot apply, but is “called,” said Leifeld. The international selection committee – including three German agents – has gained a lot of potential candidates and then reduced to 40 names. On 3th December 2008 was ultimately presented to the public the new artistic director Carolyn Christov-Barkaiev.
„Our main sponsor is the visitor“
The documenta (12) had a budget of 26.8 million euros, explained the speakers. It was composed as follows: The city of Kassel provides 13 percent, as well as the state of Hesse (also 13 percent) and the “Kulturstiftung des Bundes” provides 12 percent. The largest share – 62 percent of the budget – came from the own performance of documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH. Conclusion: 38 percent of the budget consists of public subsidies, 62 percent of own performance. “Our main sponsor of the visitors,” says Bernd Leifeld.
This way the documenta (13) is presented in advance: Logo, the first artwork, notebooks
Much has happened since, much in the background, some in public: The new logo was developed (as reported in our blog post), it was set up the first art work in the Aue by Penone (again, we blogged about it), notebooks were published (also one theme of our blog), many series of events and lectures about the documenta (13) and direct them as an own performance – in advance, long time before he actual 100 days. Leifeld and Sauer as well as the growing staff of the Documenta and Museum Fridericianum Event GmbH have always one goal in sight: “The visitors may resent only one – and that is art,” summarized Bernd Leifeld.
150 companions start their training
Brand new: 150 so-called “companions” were put under contract these days. They were selected from over 700 applications received, with the aim to offer interested visitors some interesting tours around the exhibition. For one of those guided tours the visitors should calculate at least two hours, explained Leifeld. The training of these companions started last weekend in January, also in the auditorium of the Kunsthochshule.
„It will be a very vital art exhibition at many different places“
More on the current state of the documenta (13): According to Bernd Leifeld one hundred percent of the venues has been specified yet. Some of them had already been announced: The Fridericianum, the Karlsaue, the Gloria Kino ( located at the “Ständeplatz” in the Friedrich-Ebert-Straße 3). It adds even more exciting venues, which should surprise, announced Leifeld. From the former idea of “100 artists at 100 locations” this still remains: The documenta (13) has many venues. “It is a very vital art exhibition at many different places,” promises Bernd Leifeld. Therefore, he advises all visitors to stay at least two days to visit the documenta (13). A route around the Fridericianum within walking distance will be accomplished in one day. For the second, larger route, it is advised to take public transportation. For the inhabitants and those of the surroundings Leifeld recommend a season ticket. After all, there is a lot to explore scattered throughout the whole city.
Well known: Information tactics piece by piece
Bernd Leifeld always announces locations, concept, and especially artists exhibiting at documenta (13) deliberately into “piece by piece tactics”. He explains, why: He wants to protect the documenta also in this point as “jewel”. They had learned from experience that the media tended to evaluate the world art exhibition mainly by the quality of the exhibiting artists, explained Leifeld. Therefore, the names of all the exhibiting artists are completely published just before the beginning, on the 6th of June. Moreover, the first duty of the companions before their first training was this: To sign immediately an agreement of confidentiality.
Inventors may make a scavenger hunt through the notebooks
However, for really curious persons Bernd Leifeld gave a small exercise to solve this big question on the own way: “Anyone who reads our notebooks, can also put together his own list of artists.” Currently (as of 27 January 2012) 54 of the planned 100 notebooks (see our blog article) have been published. And also in the Aue “there is actually happening something”, announces Bernd Leifeld with a twinkle in his eye.
Visitors will see the big staging of artworks with their own eyes
Ok, so let the inventors puzzle! Those, who come between 9th of June and 16th of September 2012 to Kassel will see the big staging of all art works with their own eyes. At least, the documenta (13) produces this as unique dramatic staging at its own: Tension. This also has its advantages. And certainly does not come by chance: After all, Bernd Leifeld previously worked as dramaturge, as well as theater and acting director at various theaters.
Personal
Bernd Leifeld studied Germanic, pedagogy and theater in Cologne and at the University of Berlin. He worked in various German theaters as assistant director. In 1980 he was editor of the Ruhr Festival in Recklinghausen. From 1981-1983 he worked as an acting director at the Staatstheater Theater Kassel before he was director and director at the National Theatre Württemberg-Hohenzollern Tübingen (LTT). After a lectureship in dramaturgy at the University of Tübingen in 1992, he worked as a lecturer at the University of Basel. From 1993 to 1995 Bernd Leifeld was dramaturge and theater director at the Theater Basel. Since the first January 1996, he is managing director of Documenta and Museum Fridericianum Event GmbH in Kassel. (Source for this heading “Personal”: Press Office of the Kunsthochschule Kassel)